Vortrag: Eine regionale Währung für Südthüringen

Zur Fortsetzung des Gesprächs über eine lebensdienliche und zukunftsfähige Wirtschaftsordnung lädt der BUND-Kreisverband Schmalkalden Meiningen interessierte Bürgerinnen und Bürger am Freitag, den 19. März um 20 Uhr in den Ratssaal im Rathaus Schmalkalden herzlich ein. Als Referenten werden erwartet Herr Dr. Gunkel, Herr Liebermann und Herr Holland-Cunz von dem Forum ÜBERLEBENSKULTUR – WENDEINITIATIVE Suhl und Umgebung.

Bericht über das Treffen der Wende-Initiative Suhl und Umgebung am 3. März 2010

Rainer Gunkel begrüßte zunächst die etwa 30 Teilnehmer und regte an, darüber nachzudenken, zwei neue Arbeitsgruppen zum Thema Abfall und Einkauf zu bilden. Weiterhin ermunterte er dazu, regelmäßige Filmabende (monatlich?) über relevante Themen zu organisiere. Der Vorschlag, in Zukunft mit den „Wende-Treffs“ bereits 19 Uhr zu beginnen, fand allgemeine Zustimmung. Von Boris Palmer ist Zusage eingegangen, in Suhl einen Vortrag zu halten. Die Vorbereitung dieser Veranstaltung erfolgt zusammen mit Bündnis 90/Grüne Suhl.

Im ersten Vortrag dieses Abends berichtete Manfred Hellman, Bürgermeister von Viernau, über seine Erfahrungen auf dem Weg zur Solarkommune. Wichtige Maßnahmen dabei sind zum Beispiel regelmäßige Informationsveranstaltungen (1 bis 2 Mal jährlich) und Schreiben der Gemeinde an Bauwillige mit Empfehlungen zur südlichen Dachausrichtung. Seine Vorstellungen gehen dahin, in den nächsten Jahren kombinierte Anlagen mit Photovoltaik und wind zu errichten.

Im nächsten Vortrag stellte Herr Röder aus Rieth im Heldburger Land seinen Weg zu einer natürlichen und erfüllenden Lebensweise vor. Ausgangspunkt seines Vortrages bildeten dabei philosophische Betrachtungen. Aber auch konkrete praktische Anwendungen der Permakultur wie ein Hügelbeet, ein Gemeinschaftsprojekt Perma-Gewächshaus und das Projekt „grüner Hügel“ (0,7 ha in der Ortsrandlage von Rieth stellte er vor.

Als nächstes berichteten Vertreter der vier Arbeitsgruppen über ihre Aktivitäten in den letzten Wochen.

In der Diskussion ergab sich die Anregung, Schreiben oder Emails an den Geschäftsführer der SWSZ, Dr. Koch zu senden, in denen man darauf eine Rückkehr als Stromkunde zu der SWSZ in Aussicht stellt, falls die SWSZ Ökostrom anbieten würde.

Der Termin 13. März 2010 für die Exkursion zu den Streuobstwiesen von Frank Schelhorn fand allgemeine Zustimmung (Treffpunkt 11.00 Uhr Gerhardtsgereuth, Gabelung Neuendambach). Für den Nachmittag schlug Rainer Gunkel eine Einkehr zu Kaffe und Kuchen im Restaurant des Ökomarktes Vachdorf vor.

Wendeinitiative: Regionale Selbstversorgung als Weg aus der Krise

Hinter der Finanzkrise lauert die Wirtschaftskrise, genauer, die Krise des modernenen Wirtschaftens und der ihr gemäßen Lebensweise. Da werden einerseits ungebremst Ressourcen verschlungen: Mit dem „Peak Oil“ (Fördermaximum) naht das Ende des Öls, und konsequent gedacht, steht ganz selbstverständlich das Ende aller nicht regenerativen Ressourcen bevor. Andererseits wird genau dadurch der Planet in seinen lebensgrundlegenden Balancen bedroht: Die natürlichen Kreisläufe geraten ins Wanken, sei es durch klima-heizende Gase, sei es durch Fehlentwicklungen der Landwirtschaft (Monokultur, Überdüngung, Bodenauslaugung, Massentierhaltung usw.), sei es durch Chemisierung der verschiedensten Aspekte des Produzierens und Konsumierens – um nur einige Beispiele zu nennen.
Ressourcenschwund und Labilisierung der Naturkreisläufe (geradezu verniedlichend meist als Klimawandel bezeichnet) sind ein Zwillingsproblem (Rob Hopkins), sind ein – heute mehr denn je sichtbares, ja, vor Augen stehendes – Problem, das dem „Weiter-So“ den Garaus macht.
Das Herstellen von Waren um des daraus erzielbaren Geldes willen, egal ob Profit oder Arbeitslohn, bringt uns alle in die Sackgasse. Noch einmal: es geht nicht (mehr lange) weiter so.
Das alles ist begreifbar, denn es ist, wie gesagt, sichtbar.
Die radikale Konsequenz daraus hat – neben vielen anderen Ansätzen rund um den Planeten – der Kreis um den englischen Permakultur-Fachmann Rob Hopkins gezogen: Wir schauen uns an, wie das Leben NACH Ressourcenende, insbesondere zunächst nach dem Ende des Öls aussehen wird, also, wie wir dann leben können, leben müssen. Das analysieren wir, so genau es geht. Daraufhin ziehen wir die nötigen Schlüsse für die Gegenwart: Wir beginnen schon jetzt, uns auf das Leben nach dem Öl, nach den nicht regenerativen Ressourcen einzurichten. Wir bilden die für eine kommunale Selbstversorgung nötigen Strukturen und entdecken in diesem Prozeß zur eigenen Überraschung, daß die Änderungsschritte gut tun, daß sie aus wenig oder nicht bemerkten Abhängigkeiten lösen, daß sie uns freier machen und das Gefühl, ja, die Erfahrung geben, daß wir unser Leben mehr und mehr in die eigenen Hände nehmen.
Rainer Gunkel ist nach Lektüre des Buches von Rob Hopkins (Energiewende – das Handbuch. Anleitung für zukunftsfähige Lebensweisen. Verlag Zweitausendeins 2008) im Februar 2009 in den Ursprungsort der „Transition Initiative“, das südenglische Städtchen Totnes, gefahren. Die dortigen Entwicklungen haben beeindruckt und ermutigt. Totnes gab die Initialzündung: Derzeit arbeiten in mehr als 120 englischen Kommunen Wendeinitiativen. Der Funke ist auf viele andere Länder übergesprungen. In Deutschland sind Engagierte in Berlin-Friedrichshain/Kreuzberg, in Bielefeld, Emskirchen (Fürth) und Dresden bereits am Werk.

Die Wende-Initiative Suhl und Umgebung trifft sich regelmäßig am ersten Mittwoch jedes ungeraden Monats  19.00 Uhr im Bürgerhaus Zella-Mehlis.

Bericht über die Zusammenkunft der Wende-Initiative Suhl und Umgebung am 6. Januar 2010

Am 6. Januar 2010 trafen sich 24 engagierte BürgerInnen zum ersten Treffen der Wende-Initiative Suhl und Umgebung im neuen Jahr in der Scheune des Bürgerhauses Zella-Mehlis.

Am 6. Januar 2010 trafen sich 24 engagierte BürgerInnen zum ersten Treffen der Wende-Initiative Suhl und Umgebung im neuen Jahr in der Scheune des Bürgerhauses Zella-Mehlis.

Zunächst berichtete Frank Schellhorn über seine Erlebnisse bei der Teilnahme an den Demonstrationen anlässlich des Weltklimagipfels in Kopenhagen. Er verbrachte Anfang Dezember 5 Tage in Kopenhagen, im zusammen mit anderen Umweltaktivisten Druck auf die anwesenden Regierungsdelegationen zu machen, konkrete und wirksame Maßnahmen zur Begrenzung der globalen Klimaerwärmung zu vereinbaren. Das Engagement der Teilnehmer ist um so höher zu bewerten, wenn man die schwierigen äußeren Bedingungen (Frostwetter, Übernachtung in ungeheizten Hallen usw.) berücksichtigt. Noch schwieriger hatten es dabei im Zusammenhang mit den längeren Anfahrtsstrecken und ihrer Armut die Teilnehmer aus der 3. Welt. Wenn man berücksichtigt, dass die Klimaerwärmung vor allem durch die Lebensweise der Menschen in den entwickelten Ländern verursacht wird, die Menschen in den armen „südlichen“ Ländern aber viel stärker von den Auswirkungen betroffen sind, kann man Frank Schellhorn nur zustimmen, wenn er sagt: „ Die armen Menschen der 3. Welt sind machtlos, sie haben keine Stimme, wenn wir nicht ihre Sache zu der unseren machen.“ An der Hauptdemonstration nahmen etwa 150.000 Menschen teil.
Im Juni 2010 findet die Nachfolgekonferenz von Kopenhagen in Bonn statt. Frank Schellhorn regte an, schon jetzt über eine Teilnahme an den dort geplanten Demonstrationen nachzudenken.

Weitere Themen dieses Abends befassten sich mit der Vernetzung der Transition Initiativen über das Internet und Berichte der einzelnen Arbeitsgruppen über ihre Aktivitäten.

  • In der Gruppe Regiogeld wurde ein Konzeptentwurf erarbeitet, der bei der Argumentation gegenüber den verschiedenen Zielgruppen unterstützen soll. In diesem Zusammenhang sollen Kontakte zu Kommunen, Verbänden, lokalen und regionalen Initiativen, Gewerbevereinen, Gewerbetreibenden und Kirchen etc. geknüpft und für die Einführung einer regionalen Währung geworben werden.
  • Der Bericht der Gruppe Biologischer Garten- und Landbau, Permakultur, Kreislaufwirtschaft setzte den Schwerpunkt auf die Entwicklung von Kontakten zu Praktikern der Anwendung des ökologischen Gartenbaus und der Permakultur in unserer Region und den angrenzenden Regionen.
  • Die Gruppe Bildung und Erziehung; Psychologie der Wende, Kultur, Gesundheit thematisierte insbesondere den Aspekt der Entschleunigung. In diesem Zusammenhang wurde über die Exkursion zum Erlebnisbahnhof Schmalkalden berichtet.
  • Innerhalb der vielfältigen Aktivitäten der Gruppe Energie waren die wichtigsten Punkte mit Hilfe der Freien Wähler im Stadtrat Zella-Mehlis einen Energiebericht auf den weg zu bringen und die Veranstaltung zum Thema „Energie im Bürgerhand“ im November 2009.

Bevor sich die Arbeitsgruppen jeweils gesondert zu ihrer weiteren Arbeit abstimmten wurde noch über allgemeine Strukturen der Wendeinitiative diskutiert und folgende Vereinbarungen getroffen:

  • Es wird eine „Wende-Bibliothek“ in Form einer Aufstellung über bei den Teilnehmern vorhandenen Literatur zu relevanten Themen zwecks gegenseitigem Austausch erstellt.
  • Die Wendeinitiative trifft sich alle zwei Monate jeweils den ersten Mittwoch 19.30 Uhr in der Scheune im Bürgerhaus Zella-Mehlis.
  • Die Vorstellung der Wendeinitiative vor einer breiten Öffentlichkeit ist für die Mitte des Jahres 2010 geplant.
  • In der zweiten Jahreshälfte 2010 ist ein Wochenend-Workshop zur Wende-Problematik angedacht.